über uns: Faszination

Enneastar-Faszination

Diese Seite dient als "Beipack­zettel". Wir erklären verschiedene Grund­bestand­teile von Enneastar, die auf das Ennea­gramm zurück­gehen. Manche von ihnen zogen die Menschen bereits über Jahr­hunderte hinweg in ihren Bann, andere zumindest über Jahr­zehnte.

 

Enneastar baut auf faszinierende Elemente des Enneagramms.


Das Enneagramm als Typen­psychologie vereint verschiedene Elemente zu einem Bündel der Faszination:

Enneastar ent­wickelt dieses Faszina­tions­bündel weiter – durch die Belbin Team Roles Theory und durch eine erfrischende biblische Spiri­tualität. Wir ver­zichten aber auf die Herkunft-Legenden, die das Ennea­gramm noch faszi­nie­render machen sollen.

 

Ausser­dem sind wir uns bewusst, dass das ursprüng­liche Ennea­gramm auch Elemente ent­hielt, die in seiner weiteren Ent­wick­lung zurecht als "nicht hilf­reich" aus­ge­sondert wurden (Bewusst­seins-Stadien, Astro­logie, Sheldons Typologie).

 

Die folgenden Aus­füh­rungen dienen als Hinter­grund­informa­tion für die­jenigen, die sich ver­tieft mit den ver­schie­denen Geistes­strömun­gen befassen wollen, die im Ennea­gramm zusam­men­fliessen. Am Ende jedes Kapitels zeigen wir dann auf, ob und wie diese Elemente in Enneastar inte­griert werden.

 

 

Faszination: Geometrische Figur als Erklärungsmodell

Das Enneagramm ist in erster Linie eine geome­trische Figur, die helfen soll, auch komplexe Realitäten mit ihr zu analy­sieren. Dieser Ansatz geht auf Ramon Llull zurück (1232-1316, oder auch: Ramon Lull, Raimund Lull), der mit neun­zackigen Sternen die Wahrheit der christ­lichen Religion beweisen wollte. Er war über­zeugt: Seine geome­trische Figuren gehen auf gött­liche Inspiration zurück. Sie faszinieren bis heute.

Ramon Llull: Bergerlebnis

»Um 1274 empfängt Lull auf dem Berg Randa in der Mitte Mallorcas – seinem eigenen Zeugnis ent­sprechend auf­grund einer gött­lichen Inspiration – die Idee einer Wissen­schaft, die er die "Kunst der Wahrheits­findung" nannte – Ars inveniendi veritatem [...]. Sie sollte es ihm ermög­lichen, den Muslimen und Juden mit "not­wen­digen Vernunft­gründen" (rationes necessariae) die­jenigen christ­lichen Lehren zu erläutern, die am heftig­sten umstritten und abgelehnt wurden: die Trinität [Drei­einig­keit] und die Inkarnation [Mensch­wer­dung von Jesus Christus].« (Pindl, 266)

Dieses Berg-Erlebnis (1274) kann als Inspira­tions­stunde für Llulls neun­zackigen Sterne gelten.

Ramon Llull 1308/1517: Figura A

Der Llull-Schüler Thomas Le Myésier bezeugt folgende Worte, die Llull bei seiner Erleuch­tung (Illumination) gesagt haben soll: »O Gott, der Du mir durch Deine Gnade heute die [...] Prinzi­pien aller Dinge offen­baren wolltest und mich lehr­test, aus diesen zwei Figuren zu bilden!« (Fidora, XVIII) Dieser Erleuch­tung ver­dankt er seinen Bei­namen Doctor illuminatus (Fidora, XII-XIII).

 

»Die erste dieser Figuren ist mit A benannt, dem ersten Buch­staben des Alphabets, den Llull Gott vor­behält. Ent­sprechend wurde sie später als "Theolo­gische Figur" bezeichnet.« (Fidora, XXV; Hervorh. d. Verf.)

Ramon Llull 1308/1517: Figura T

»Die zweite Figur namens T systema­tisiert die relatio­nalen Begriffe, von denen jeweils drei zusammen­genommen und den Winkeln eines Dreiecks ein­geschrie­ben werden. Auf diese Weise ent­stehen drei Dreiecke«. (Fidora, XXVI; Hervorh. d. Verf.)

 

Llull stellte fest: Jede Substanz hat eine innere Tätig­keit (operatio intrinseca), »die über­haupt erst eine Tätig­keit nach aussen hin ermög­licht (operatio extrinseca) [...]. Wie die Elemente z.B. ihre spezi­fische Eigen­art nicht ausser sich, sondern in sich selbst besitzen, könnte auch Gott nach aussen weder wirken noch erkannt werden, wenn er nicht in sich selbst aktiv wäre. [...] In dieser inneren korrela­tiven Tätig­keit fand Lull eine ein­sichtige Erklärung für die christ­liche Trinität [Drei­einig­keit], die ja den grössten Stolper­stein im Religions­dialog dar­stellte.« (Pindl, 282-284; Hervorh. d. Verf.)

Ramon Llull: Steinigung

Auf einer nord­afri­kani­sche Missions­reise wurde Llull schliess­lich zum Märtyrer. Er wurde »bei seinem Fuss­marsch durch Algerien – wohl Ende des Jahres 1315 – von der auf­gebrach­ten Menge gesteinigt. [...] In der Kirche des Franzis­kaner­klosters in Palma wurde er bestattet; dort ist bis heute sein Sarg«. (www.heiligenlexikon.de; Hervorh. d. Verf.)

Der heutigen öku­meni­schen Bewe­gung dient Llull vor allem als Vor­bild für den inter­religiö­sen Dialog. »Wahr­heits­findung in Ein­tracht ist dabei das Ziel«. (Mayer, 421) Es besteht aller­dings die Gefahr, dass Llulls missiona­rische Perspektive über­sehen wird.

Ramon Llull's Sarg, Mallorca

Llull wurde nach seinem Tod ganz ver­schieden (miss-)­ver­standen. Er galt als Ketzer, Heiliger, Esote­riker und schliess­lich auch als Mathe­ma­tiker. Kirchen­geschicht­lich gehört er nebst einem Thomas von Aquin (1225-1274) zu den bedeu­tend­sten Schola­stikern. Llull selbst ver­stand sich offen­sicht­lich als Missionar, der für ein inter­religiöses Fair­play einstand.

Agrippa von Nettesheim's Kommentar zu Lulls Ars brevis

Ab dem 16. Jahr­hundert finden Llulls Werke Ein­gang in esote­rische Strö­mungen.  So schreibt Agrippa von Nettes­heim (1486-1535) einen Kommen­tar zu Llulls Ars brevis und preist diese als »Kunst der Künste, von der alle übrigen Wissens­zweige abhingen, die alle Fragen [...] lösen könne.« (Pindl, 302-303)

Enneagramm Gurdjieff, Ouspensky 1949/2010

Gut mög­lich, dass auch das Ennea­gramm dieser esote­rischen Strö­mung ent­stammt. Auf jeden Fall wollte auch Gurdjieff sein »Ennea­gramm prinzi­piell als univer­selles Symbol ver­stan­den wissen, mit dem jeg­liche Wissen­schaft inter­pre­tiert werden könnte und das für jeman­den, der es zu nutzen wusste, Bücher und Biblio­theken über­flüs­sig machen würde: Würde man in der Ein­sam­keit der Wüste ein Ennea­gramm in den Sand zeich­nen, könnte man die ewi­gen Gese­tze des Univer­sums lesen und immer etwas Neues, bis dahin Unge­ahntes dazu­lernen.« (Naranjo, 55; vgl. Ouspensky 1949/2010, 432)

 

James Webb, The Harmonious Circle

James Webb leitet Gurdjieffs Symbol wohl als Erster auf Ramon Llull zurück (1980). Dabei geht er davon aus, dass sich Llull für seine Ideen durch­aus auch von seinem Ziel­publi­kum, den Sara­zenen (Moslems), inspi­rieren liess. »[...] in the words of a leading Lullian scholar, "Lull in pre­paring to combat Islam, had stee­ped him­self for years in its litera­ture and mysticism. He had taken many of his arms from his adversaries."« (Webb, 518)

 

In seinen Nach­forschungen traf Webb auf Gurdjieff-Schüler, denen Llulls Symbol bereits zu Gurdjieffs Zeiten bekannt war. »The Lullian Art was known to Gurdjieff's St. Peters­burg group – it had been redisco­vered by Anna Butkovsky and Anthony Charkovsky – and this fact alone may have been responsible for Gurdjieff's use of the ennea­gram in conver­sations with those pupils.« (Webb, 519)

James Webb - Von Llull zu Gurdjieffs Enneagramm

Webb sieht in Llulls Figuren die Vor­lagen für Gurdjieffs Ennea­gramm. Er zeichnet das Ennea­gramm gar in Llulls "Figura A" ein. Aber er macht auch auf inhalt­liche Parallelen auf­merk­sam. So verstand Llull seine Figuren als inter­religiöse Sprache, gemäss Webb sogar als uni­verselle Sprache. Gurdjieff hatte den gleichen Anspruch an das von ihm über­lieferte Ennea­gramm. »Gurdjieff denounced all con­cocted uni­versal languages, and declared that in any case a valid uni­versal language already existed. When he intro­duced his Russian groups to the ennea­gram, he defined it as "the funda­mental hiero­glyph of a uni­versal language." [...] How­ever, we do know that Lull delibe­rately constructed his Art to provide a universal language which would unite men of all creeds under a single God.« (Webb, 519)

 

Enneastar®

Enneastar greift auf das ursprüng­liche Symbol von Ramon Llull zurück, statt sich an Gurdjieffs Abwand­lung zu halten. Ausser­dem erlauben wir uns, die Ennea­gramm­typen in eine andere Reihen­folge zu bringen. Diese orien­tiert sich an der bibli­schen Reihen­folge der neun Eigen­schaften der sogenannten Geistes­frucht.

Geometrische Unterschiede zwischen dem Enneagramm und Enneastar

 

Literatur­verzeichnis

Bartels, Johannes. "mitten in die Seele hinein". Das Ennea­gramm im Kontext religiöser Erwachsenen­bildung. Religions­päda­gogische Kon­texte und Kon­zepte Bd. 13. LIT Verlag, Münster. 2005. ISBN 3-8258-7282-3

Fidora, Alexander. Über­setzung, Einführung und Heraus­gabe von: Lullus, Raimundus. Ars brevis. Lateinisch – deutsch. Felix Meiner Verlag, Hamburg. 1999. ISBN: 3-7873-1436-9

Mayer, Annemarie C. Drei Religionen – ein Gott? Ramon Lulls inter­religiöse Diskussion der Eigen­schaften Gottes. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau. 2008. ISBN 978-3-451-29790-8

Naranjo, Claudio. Charakter und Neurose. Eine inte­grative Sicht­weise. Hrsg: Wolfgang Dietrich, UNESCO Chair for Peace Studies, Inns­bruck. Reihe: Elicitiva – Friedens­forschung und Humani­stische Psychologie. Springer Fach­medien Wiesbaden. 2017. ISBN 978-3-658-15610-7

Ouspensky, Peter D. (1878-1947). Auf der Suche nach dem Wunder­baren – Die Lehre des grossen Meisters G.I. Gurdjieff. 1. Auflage: 1949 unter dem Titel "In Search of the Miraculous – Fragments of an unknown Teaching". Neu­ausgabe 2010: O.W. Barth Verlag. ISBN: 978-3-426-29187-0

Pindl, Theodor. Nachwort zu Lull, Ramon. Das Buch vom Heiden und den drei Weisen. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart. 1998. ISBN 978-3-15-009693-2

Webb, James. The Harmonious Circle. The Lives and Work of G.I. Gurdjieff, P.D. Ouspensky, and Their Followers, with 26 illustrations. Thames and Hudson, London. 1980

www.heiligenlexikon.de/BiographienR/Raimundus_Lullus_von_Palma.htm (Datum: 15.12.2017)


 

 

Faszination: Todsünden (Wurzelsünden) als Herzensspiegel

Das psycho­logische Ennea­gramm inte­griert die sieben Tod­sünden, die mit zwei weiteren Sünden ergänzt werden, um alle neun Punkte der geo­me­tri­schen Figur abzu­decken. Damit wird das Ennea­gramm zum Seelen-Spiegel, um das eigene Leben und Herz zu reflek­tieren. Diese Herzens-Reflexion hat eine alte Tradition, die bis ins Mittel­alter zurück­reicht. Das so­ge­nannte Herz­büch­lein ist hier­für der konkre­teste Beleg. Dieses hat die Menschen über Jahr­hunderte hin­weg in seinen Bann gezogen und ist bis heute in Gebrauch.

Le vray miroir du pecheur, 16. Jahrhundert

»In der mittel­alter­lichen Litera­tur bildet die Ars moriendi, die Kunst zu sterben, ein ganz eigenes Genre. [...] Ein solches Ars-moriendi-Motiv können wir vom Mittel­alter bis in unser eigenes Jahr­hundert hinein ver­folgen. Es stellt das Toten­bett des Gott­losen bezie­hungs­weise des Gottes­fürch­tigen dar und stammt von dem mittel­alter­lichen Vor­bild "Le vray miroir du pecheur". Die Bilder­folge wurde mehr­fach kopiert und fand weite Ver­breitung.« (Bringéus, 61)

Holzschnitt aus Danse macabre, 1486.

 

Das Herz­büch­lein geht zurück auf den oben erwähnten alter­tüm­lichen »Bilder­bogen (Anfang 16. Jh.?) "Le vray miroir du pecheur", dessen eine Dar­stellung schon in dem 1461 zu Paris bei Guyot Marchant gedruckten "Danse macabre" vor­gebildet ist«. (Spamer, 155; Hervorh. d. Verf.)

 

Diese eine Dar­stellung (Bild vom Dämon mit der Keule im "Danse macabre") wurde im Herz­büch­lein 1730 noch abge­druckt, in späteren Versionen dann aber weg­gelassen.

französisches Herzbüchlein, 1738, 7 Todsünden

Seit dem Jahre 1730 erschei­nen in Frank­reich Hefter mit Titeln wie Miroir de l’âme du pécheur, Le vray miroir du pécheur, Le miroir des âmes und stossen auf grosses Interesse (Servais, 102). Der Kopf des Herzens­menschen erinnert uns heute an ein Musket­tier oder einen Jass­könig (Servais, 101).

1732 kommt dieses Heft, das Herz­büch­lein, nach Deutsch­land. »Durch seine ein­dring­lichen symbol­haften Ver­bild­lichun­gen der inneren Herzens­zustände des gott­losen wie des gott­zu­gewandten Menschen und des Todes Beider mit den zahl­reichen Teufels­ge­stalten und der Tier­symbolik der Tod­sünden scheint das Büch­lein schnell volks­tüm­lich geworden zu sein wie auch manchen späteren Verboten stand­gehalten zu haben. (Spamer, 155-157)

Das katholische "Hand­buch der Bücher­kunde" beurteilt 1848 das Herz­büch­lein unter dem Ein­trag "Gossner, Johannes":  »Das Herz des Menschen [...] 1822. Diese uralte (eigent­lich jesuitische) Erbau­ungs­schrift mit gräu­lichen, emblema­tisch-symbo­lischen Figural-Darstellungen – unter Kaiser Joseph II. [1741-1790] schon ver­pönt – ist wegen ihres aber­gläu­bischen und after­mysti­schen Inhalts theils von einzelnen Ordina­riaten, theils von den deutschen Regie­rungen lange streng ver­boten gewesen. Gossner mag sie ver­ändert neu heraus­gegeben haben.« (Thesaurus librorum rei catholicae, 321; Hervorh. d. Verf.)

Herzbüchlein 1815, Johannes Gossner, 7 Todsünden

Johannes Gossner über­arbeitet das Herz­büch­lein und gibt dieses 1812 neu heraus. Er wird im katho­lischen "Hand­buch der Bücher­kunde" als Apostat (vom Katho­li­zismus Abge­fallener) auf­ge­führt: »Gossner, Johannes (Apostat seit 1819), frü­her Pfarrer u. Distr.-Schul-Inspektor [...]; dann Metho­disten-Prediger in Russ­land, jetzt an der böh­misch-mäh­rischen Brüder­gemeinde zu Berlin Krichen-Vorstands-Mitglied.« (Thesaurus librorum rei catholicae, 320)

 

»Der Erfolg der Gossner­schen Schrift war sofort nach Erschei­nen unge­heuer und zwar bei allen Bevöl­kerungs­schichten, am unmittel­bar­sten aber bei den bai­ri­schen Katho­liken. Als Erbau­ungs- und Erweckungs­schrift ging das "Herz­büch­lein", wie man es kurz nannte, schnell in alle mög­lichen Sprachen über.« (Spamer, 155-157)

 

»Aber nicht bloss in der grie­chi­schen und römisch-katholi­schen Kirche, sondern auch in der evange­li­schen Kirche fand das Büch­lein [...] viel Ein­gang.« Unzäh­lige Men­schen aus ganz unter­schied­lichen Kulturen wurden berührt und kamen zur Über­zeugung:  das bin ich. (Herzbüchlein 1873)

Herzbüchlein 1929, Joseph Gschwend, 7 Todsünden

Das Herz­büchlein wurde 1929 von Joseph Gschwend, Pfingst­prediger und Lesotho-Missionar, neu über­arbeitet. Die von ihm gegründete Missions­gesellschaft "All Nations Gospel Publishers" arbeitet noch heute damit (Herzbüchlein 1929).

 

In den Bildern des Herz­büchleins werden die sieben Tod­sünden in den verschie­denen Auf­lagen mit folgenden Tieren dar­gestellt:

  • Hochmut (Stolz) → Pfau
  • Unzucht, Hurerei, Ehe­bruch (Wollust) → Bock
  • Trunksucht, Völlerei → Schwein
  • Trägheit, Zauberei (Faulheit) → Schild­kröte, Esel, Schnecke
  • Hass, Zorn, üble Laune → Leopard, Tiger, Löwe
  • Eifersucht (Neid) → Schlange
  • Liebe zum Geld, Geiz → Kröte
sieben Todsünden, Einblattholzschnitt, anonym, 1480/90

In einem um 1480/90 ent­standenen Ein­blatt­holz­schnitt eines unbe­kannten Künst­lers kann man bereits einige Tiere vom Herz­büch­lein erkennen:

  • Während der Stolz als Bischof (sic!) auf dem hohen Ross sitzt und einen Spiegel in der Hand hält,
  • reitet der Geiz auf einer Kröte.
  • Frau Zorn sitzt auf einem wilden Bären und durch­sticht sich selbst,
  • Frau Neid reitet auf einem futter­neidi­schen Hund,
  • die Faulheit auf einem "faulen" Esel,
  • die Völlerei auf einem Schwein
  • und die Unzucht reitet als Liebes­paar auf einem Bock.

Alle reiten zum Höllen­rachen im Takt des Pauke schlagen­den und Flöte spielen­den Teufels (Thierbach, 222).

Herzbüchlein 1929, Joseph Gschwend, Erlösung

 

Das Herz­büch­lein sieht Ziel und Bestim­mung des Men­schen in der Inne­wohnung des drei­einigen Gottes im Herzen des Menschen (siehe Grafik aus Her­zbüch­lein 1929). Diesem Herz wird durch Jesus Christus ver­geben. Der Mensch bekommt durch diese Ver­gebung ein reines Gewis­sen, das er fortan als Gottes natur­gegebene Stimme ernst nimmt. Die Tod­sünden werden durch die Kraft des Heiligen Geistes mehr und mehr besiegt. Die Geistes­frucht wächst und mani­festiert sich.

 

Das Herz­büch­lein zeigt mit seiner über 400-jäh­rigen Geschichte, dass die bild­liche und symbo­lische Reflexion von Tod­sünden, eine grosse Anziehungs­kraft auf Menschen aus­übt. Diese Anziehungs­kraft wirkt auch im Ennea­gramm, dessen Typologie von einer erweiter­ten Liste der Tod­sünden ausgeht.

Enneagramm Oscar Ichazo, John Lilly and Joseph Hart

Das psycho­logi­sche Ennea­gramm ergänzt die sieben Tod­sünden mit zwei Gedanken von Evagrius Pontikos (345-399) und benennt diese um. Die Ruhm­sucht wird zur Täu­schung (Naranjo spricht von Eitel­keit, Ichazo von Falsch­heit; Naranjo, 226), der Kummer zur Angst.

 

Dieser Ansatz geht auf Ramon Llull zurück, der als Erster die Todsünden auf die Neunzahl trimmte.

 

Enneastar®

Enneastar geht nicht von den (ergänzten) Tod­sünden aus, sondern orien­tiert sich an der bibli­schen Geistes­frucht. Trotz­dem sind die – durch Evagrius Pontikos (345-399) ergänzten – Tod­sünden in den Typen­beschrei­bun­gen ent­halten, wes­halb Enneastar letzt­lich immer auch ein Nach­denken über die (ergänzten) Tod­sünden bzw. Wurzel­sünden (Rohr/Ebert, 49) ist.

Enneagramm: Entwicklung von 7 Todsünden zu 9 Wurzelsünden
Enneastar ermöglicht das Reflektieren von Geistesfrucht und Wurzelsünden

 

Enneastar kennt also die gleichen Wurzel­sünden wie das Ennea­gramm.

 

Im Gegen­satz zum Ennea­gramm geht Enneastar aber primär von Tugen­den aus, näm­lich von der soge­nannten Geistes­frucht, die in der Bibel mit neun Eigen­schaften beschrieben wird.

 

Enneastar richtet sich nach der blibli­schen Reihen­folge dieser Geistes­frucht: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freund­lich­keit, Güte, Treue, Sanft­mut, Ent­halt­sam­keit. (Bibel: Galater 5,22-23)

 

Literatur­ver­zeichnis

Bringéus, Nils-Arvid, Volks­tüm­liche Bilder­kunde. Verlag Georg D.W. Callwey, München. 1982. ISBN: 3-7667-06357

Evagrius (oder: Evagrios) Pontikos (345-399). Über die acht Gedanken. Weisungen der Väter, Band 3. Beuroner Kunst­verlag, Beuron. 2007. 2. Auflage 2011. ISBN 978-3-87071-161-0

Fidora, Alexander. Über­setzung, Ein­führung und Heraus­gabe von: Lullus, Raimundus. Ars brevis. Lateinisch – deutsch. Felix Meiner Verlag, Ham­burg. 1999. ISBN: 3-7873-1436-9

Herz­büch­lein 1738. Le Miroir du Pecheur, composé par les RR. PP. Capucins [Kapuziner-Mönche], Missionnaires. Troyes, Jean Oudot. Pierre Garnier, Permission de 1738. In: Socard, Alexis. Livres populaires imprimés à Troyes de 1600 à 1800. Ouvrage orné de 120 Gravures tirées avec les bois orininaux. Auguste Aubry, Paris. 1864. https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=hvd.32044018996629;view=2up;seq=150;size=150 (Datum: 3.12.2017)

Herz­büch­lein 1815. Johannes Evangelista Gossner (1773-1858), katho­lisch, später evange­lisch. »Das Herz des Menschen. Ein Tempel Gottes oder eine Werk­stätte des Satans, in zehen Figuren sinn­bild­lich dar­gestellt. Zur Erweckung und Beför­derung des christ­lichen Sinnes. 1815. (Erschien erst­mals 1732 zu Würz­burg unter dem Titel: "Geist­licher Sitten­spiegel. Aus dem Franzö­sischen.")« Titel­angabe auf Seite 171. In: Scheible, Johann (Hrsg.). Das Kloster: Welt­lich und geist­lich. Meist aus der ältern deutschen volks-, wunder-, curiositäten-, und vorzugs­weise Komi­schen Literatur. Zur Kultur- und Sitten­geschichte in Wort und Bild. Verlag: Stuttgart Scheible Leipzig Expedition des Klosters. 1. Band. 1845. https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=mdp.39015066717789;view=2up;seq=188;size=125 (Datum: 7.12.2017). wiki/Johannes_Evangelista_Goßner datiert das Büchlein in die Periode 1773-1819. »Weltbekannt wurde sein "Herzbüchlein".« (7.12.2017)

Herz­büch­lein 1819/2011. Johannes Gossner (1773-1858). Das Herz des Menschen - ein Tempel Gottes oder eine Werk­stätte Satans. In zehn Sinn­bildern dar­gestellt und erklärt von Johannes Gossner. Dieses E-Book wurde im Rahmen der Internet­arbeit des FCDI (Freundes­kreis christ­licher Dichter und Internet­evangelisten, www.fcdi.de) erstellt. Christ­licher Online-Publikations­dienst Rainer Jetzsch­mann, Hersch­bach (www.cop-rj.de), 2011. FCDI-E-Book Nr. 1-004. http://ebooks.fcdi.de/m1/fcdi-ebook1004.pdf (Datum: 2.12.2017)

Her­zbüch­lein 1860. Johannes Gossner. Herz des Menschen ein Tempel Gottes oder eine Werk­stätte des Satans, in zehn Figuren sinn­bildlich dar­gestellt zur Erweckung und Beför­derung des christ­lichen Sinnes. Neueste ver­besserte und einzig recht­mässige Aus­gabe. (Jede andere Aus­gabe ist unerlaubter Nach­druck.) Berlin, Wilhelm Schulze. Jahr­gang: Hand­schrift­liche Notiz im Buch ist auf 1860 datiert.
https://play.google.com/books/reader?id=_N5UAAAAcAAJ&pg=GBS.PT4 (Datum: 29.11.2017)

Herz­büch­lein 1873. Das Herz des Menschen ent­weder ein Tempel Gottes oder eine Werk­stätte des Satans. In zehn Bildern dar­gestellt zur Erweckung und Beför­de­rung des christ­lichen Sinnes. Neue Aus­gabe. Reutlingen. Entzlin & Laiblins Verlags­buchhand­lung. Hand­schrift­liche Ergän­zungen: Von Johannes Gossner und Philipp. Friedr. Pöschel. 1873. https://play.google.com/books/reader?id=PkpaAAAAcAAJ&pg=GBS.PA1 (Datum: 1.12.2017)

Herz­büch­lein 1929. Joseph Reinhard Gschwend (1894-1988), Prediger der Schweiz. Pfingst­mission. Das Herz des Menschen. Ein geist­licher Spiegel. Für afrikan­ische Länder (zuerst für Lesotho), 1929. Copyright by: All Nations Gospel Publishers (ANGP). Lukas-Verlag, Buttikon, ISBN 0 908367 13 9. www.angp.ch/arbeitsmittel/herzbuechlein (Datum: 22.11.2017)

Lull, Ramon. Das Buch vom Heiden und den drei Weisen. 1276. Über­setzt und heraus­gegeben von Theodor Pindl. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart. 1998. ISBN 978-3-15-009693-2.

Lullus, Raimundus. Ars brevis [denunziert als Arte parva, Fidora, XLIII]. Über­setzung, Ein­führung und Heraus­gabe durch Alexander Fidora. Latei­nisch – deutsch. Felix Meiner Verlag, Ham­burg. 1999. ISBN: 3-7873-1436-9. Fertig­stellung des Werkes: 1308 (Seite IX). "Figura A"/"Figura T" sind auf den Seiten 6-7/10-11.

Naranjo, Claudio. Charakter und Neurose. Eine inte­grative Sicht­weise. Hrsg: Wolfgang Dietrich, UNESCO Chair for Peace Studies, Inns­bruck. Reihe: Elicitiva – Friedens­forschung und Humani­stische Psycho­logie. Springer Fach­medien Wies­baden. 2017. ISBN 978-3-658-15610-7

Pindl, Theodor. Nach­wort zu Lull, Ramon. Das Buch vom Heiden und den drei Weisen. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stutt­gart. 1998. ISBN 978-3-15-009693-2

Rohr, Richard / Ebert, Andreas. Das Ennea­gramm. Die 9 Gesichter der Seele. Claudius Verlag München 1999. 47. Pbck.-Auflage, 2013. ISBN: 978-3-532-62395-4

Schumacher, Joseph. Die Kardinal­tugenden und ihre Bedeutung für das christ­liche Leben. Fünf Vor­träge zur Ver­tiefung des Glaubens. Exerzitien­haus Schloss Fürsten­ried, München, 2005. www.theologie-heute.de/KardinaltugendenMunchen05.pdf (Datum: 30.11.2017)

Servais, Olivier (dir.) Images et diffusion du christianisme. Expressions graphiques en contexte missionaire XVIe-XXe siècle. Jean Pirotte, Caroline Sappia. Éditions Karthala, Paris. 2012. ISBN: 978-2-8111-0612-6

Spamer, Adolf. Das kleine Andachts­bild vom XIV. bis zum XX. Jahr­hundert. F. Bruck­mann, München. 1930

Thesaurus librorum rei catholicae. Hand­buch der Bücher­kunde der gesammten Literatur des Katholi­zismus. Erster Band: A-H. Verlag von Ludwig Stahel, Würz­burg. 1848

Thierbach, Melanie (Hrsg.) Die sieben Tod­sünden. Sonder­aus­stellung im Diözesan­museum St. Afra in Augs­burg vom 11. Februar bis 08. Mai 2016. Michael Imhof Verlag, Peters­berg, 2016. ISBN 978-3-7319-0255-3


 

 

Faszination: Typologie mit neun Persönlichkeitsmustern

Das psycho­logische Ennea­gramm ist eine Typo­logie mit neun Persön­lich­keits­mustern. Eine solche Typo­logie scheint Menschen ganz all­gemein zu faszi­nieren. Eine Grafik, die in Kreisen von Sozialer Arbeit und Erwachsenen­bildung seit Jahr­zehnten "herum­geistert", liefert hierfür den offen­sicht­lichen Beweis.

Magda Kelber, 1958, Typologie für Diskussionen

Die deutsche Quäkerin und Sozial­arbeiterin Magda Kelber (1908-1987, wiki/Magda_Kelber) ist die »Erfinderin der Gruppen­päda­gogik« (Bernet). Sie fügte 1958 eine Grafik mit neun Tieren in ihr Buch "Betriebs­fibel – Fibel der Gesprächs­füh­rung" ein. Das Buch ver­steht sich als Bei­trag, »dass Demo­kratie von der blossen Staats­form zu einer Lebens­form wird, die die kleinsten Dinge unseres täg­lichen Lebens durch­dringt.« (Kelber, 5)

 

(Das Original dieser Grafik der Arbeits­gemein­schaft der deutschen Schüler­ver­trungen, Koblenz, konnte ich leider nicht aus­findig machen.)

Marita Pabst-Weinschenk, 1995, Typologie für Diskussionen

Das Bild wurde später von Marita Pabst-Weinschenk über­nommen (1995), die es etwas modifi­zierte und den angriffs­lustigen Hund mit einem Huhn ersetzte. Ein Jahr­zehnt später, genauer 2016, gibt Pabst-Weinschenk dem Bild noch mehr Betonung, indem sie das typische Diskussions­verhalten jedes "Tiers" schildert und adäquate Reaktionen des Gesprächs­leiters vor­schlägt.

 

Diese Grafik hat also eine 60-jährige Geschichte und ist bis heute in regem Umlauf – auf jeden Fall im Umfeld der Sozialen Arbeit und Erwach­senen­bildung. Sie ist ein Beispiel für die intui­tive Anzie­hungs­kraft, die eine gra­fisch illust­rierte Typo­logie mit neun Typen ausübt.

 

Enneastar als Typologie für Diskussionen

 

Kelber gab in einer späteren, erweiterten Auflage zu bedenken, dass die von ihr bekannt gemachten Tier­figuren nicht mit "Charakter­typen" ver­wechselt werden sollten (Kelber 1977, 139).

 

Trotz­dem kann man das Gesprächs­verhalten einer Person kaum von ihrem Typ abkoppeln. Die Tier­figuren lassen sich denn auch relativ leicht den Enneastar-Typen zuordnen, vor allem wenn man sich an die ursprüng­lichen Titel (und Tiere) von Kelber hält.

Die Positionen der Tiere in der von Kelber bekannt gemachten Grafik ist im Lichte von Enneastar bemerkens­wert.

  • Die defensiven Typen Vermittler, Skeptiker und Beobachter sind im Mittelfeld der Diskussions­runde inte­griert. Damit ist deren Inklusion sicher­gestellt.
  • Die sich gegenüber­sitzenden Typen vertreten jeweils adverse Arbeits­kulturen. Kultur-Clashes sind deshalb voraus­sehbar: Kämpfer ↔ Helfer, Macher ↔ Individualist, Perfektionist ↔ Beobachter, Optimist ↔ Skeptiker.
  • Der Vermittler ist – wie im Ennea­gramm – in der (oberen) Mitte. Seine besänfti­genden Fähig­keiten kommen damit bestens zur Geltung.
  • Vermittler werden in der Gruppe oft über­sehen. So auch in einer späteren Abwand­lung dieser Grafik, welche den Schüch­ternen ersatzlos streicht (Markworth).

Ich behaupte keines­wegs, dass die ursprüng­liche Grafik der deutschen Schüler­vertretungen auf das Ennea­gramm zurück­geht. Das ist unwahr­schein­lich, da das Ennea­gramm erst in den 1970er-Jahren einer breiteren Öffent­lich­keit bekannt wurde. Die Tier­grafik hin­gegen geht minde­stens auf das Jahr 1958 (Erst­auflage von Kelber) zurück und ist damit älter als das typen­psycho­lo­gische Ennea­gramm. Obwohl das Original der Tier­grafik kaum mehr auf­findbar sein wird, erbringt die Geschichte dieser Grafik den Beweis,

  • dass sich das kommuni­kative – und (dadurch implizit auch) das soziale – Ver­halten von Menschen intuitiv in neun Kategorien ein­ordnen lässt
  • und dass eine solche Katalogi­sierung eine grosse Anziehungs­kraft aus­übt, wenn sie bild­lich-symbo­lisch dar­gestellt und kommuni­ziert wird.
  • Letzteres zeigt sich dadurch, dass die Tier­grafik schon seit über 60 Jahren in der Erwach­senen­bildung-Literatur "herumgeistert".
Enneastar ist eine Synthese von Enneagramm und der Belbin Team Roles Theory.

 

Enneastar®

Enneastar über­nimmt die neun Typen des Ennea­gramms, ver­bindet diese aber mit den neun Team­rollen von Meredith Belbin, der sogenannten Belbin Team Roles Theory.

 

Dadurch rückt das Team­verhalten der ein­zelnen Typen noch mehr in den Fokus. Aus­flüge in die Tiefen­psycho­logie hin­gegen bleiben aus.

 

Literatur­verzeichnis

Beblin, R. Meredith. The Belbin Guide to Succeeding at Work. First published 2008. 4. Auflage. Published by Belbin, Cambridge, England. 2013. ISBN 978-0-9552979-5-3

Bernet, Claus. Magda Kelber: Sozial­pädagogin, Sozial­arbeiterin und Erfin­derin der Gruppen­päda­gogik. In: Quäker-Nach­richten – Meldungen aus dem welt­weiten Quäker­tum. 22.04.2012. http://quaekernachrichten.blogspot.ch/2012/04/magda-kelber-sozialpadagogin.html (Datum: 23.04.2018)

Kelber, Magda. Betriebs­fibel. Fibel der Gesprächs­führung. 4. unver­änderte Auflage 1964. 1. Auflage: 1958. C.W. Leske Verlag, Opladen. Heraus­gegeben in Gemeins­chaft mit der Deutschen Volks­wirt­schaft­lichen Gesellschaft e.V. Hamburg.

Kelber, Magda. Gesprächs­füh­rung. Informieren, Diskutieren, Beschliessen. 12. über­arbei­tete und erwei­terte Auf­lage der "Fibel der Gesprächs­füh­rung". 1977. Leske Verlag + Budrich, Opladen. ISBN: 3-8100-0177-5

Markworth, Ronald. Konferenz der Tiere. www.toonsup.de/illustrationen/konferenz_tiere (Datum: 17.04.2018)

Pabst-Weinschenk, Marita. Reden im Studium. Ein Trainings­programm. Cornelsen Verlag Scriptor, Berlin, 1995. ISBN: 3-589-21068-0

Pabst-Weinschenk, Marita. Stimm­lich stimmiger Unter­richt. Professionelle Kommuni­kation und Rhetorik. Vanden­hoeck & Ruprecht, Göttingen, 2016. ISBN: 9783647701837. (https://books.google.ch/books?id=03eUCwAAQBAJ, Datum: 22.03.2018)

wiki/Magda_Kelber. https://de.wikipedia.org/wiki/Magda_Kelber (Datum: 23.03.2018)


 

 

Faszination: Typenpsychologie

Das Ennea­gramm wäre wahr­schein­lich nie welt­bekannt geworden, wenn es nicht vom aus Chile stammenden US-ameri­kani­schen Psychiater Claudio Naranjo mit Persön­lichkeits­störungen in Verbindung gebracht worden wäre.

»Freilich konnte das Ennea­gramm erst populär werden, nach­dem es durch Ichazos Schüler Claudio Naranjo, einen chileni­schen Psychiater, eine gründ­liche Über­arbei­tung erfuhr und mit den Erkennt­nissen der modernen Psycho­logie ver­bunden wurde. So hat Naranjo die im Diagnosti­schen und Statisti­schen Manual (DSM) vor­liegende Kategori­sierung psychi­scher Stö­rungen ver­wendet, um die Charakteri­sierungen Ichazos zu präzisieren. Ferner hat er jedem Typ einen jeweils bevor­zugten Abwehr­mechanismus zugeordnet.« (Bartels, 45)

 

Bartel führt dann die von Naranjo postulierten Abwehr­mechanismen auf:

  • Helfer: Verdrängung
  • Optimist: Rationalisierung
  • Skeptiker: Projektion
  • Perfektionist: Reaktionsbildung
  • Individualist: Introjektion (unbewusste Ein­beziehung fremder Anschau­ungen, Motive o. Ä. in das eigene Ich)
  • Beobachter: Isolierung
  • Macher: Identifikation
  • Kämpfer: Desensibilisierung
  • Vermittler: Betäubung
Claudio Naranjo, Charakter und Neurose

Persön­lich­keits­störungen gemäss Naranjos Buch "Charakter und Neurose" (2017):

  • Helfer: Histrionische (thea­trali­sche) Persön­lich­keits­störung, ego­zent­rische Gross­zügig­keit
  • Optimist: Narziss­tische (selbst­verliebte) Persön­lich­keits­störung
  • Skeptiker: Paranoide (krankhaft miss­trauisch) Persön­lich­keits­störung
  • Perfektionist: Zwang­hafte Persön­lich­keits­störung
  • Individualist: Borderline Persön­lich­keits­störung, masochi­stischer Charakter
  • Beobachter: Schizoide (zurück­gezogene) Persön­lich­keits­störung, ver­meidend-selbstunsichere oder para­noide Persön­lich­keits­störung
  • Macher: keine wissen­schaft­lich definierte Persön­lich­keits­störung ;-)
  • Kämpfer: Anti­soziale Persön­lich­keits­störung
  • Vermittler: Dependente (abhängige) Persön­lich­keits­störung

»Die Psycho­logie des Ennea­gramms ist weis­heit­licher Natur. Ichazos Typen­beschrei­bungen basieren nicht auf metho­disch kontrol­lierter oder gar empi­rischer Forschung, sondern auf der intui­tiven Menschen­kenntnis des charis­mati­schen Beo­bachters. Sie werden daher auch nicht begründet, sondern tragen durchgängig den Charakter von Setzungen, die nur unmittel­bar ein­leuchten – oder gar nicht. Auch wenn dann durch Ichazos Schüler Naranjo wissen­schaft­liche Elemente, z.B. die aus der psycho­lo­gischen Forschung bekannten Abwehr­mecha­nismen, in das System ein­flossen, bleibt die Grund­lage doch eine weis­heit­liche. Alle Ver­suche einer nachträg­lichen wissen­schaft­lichen Vali­dierung ändern daran nichts.« (Bartels, 71)

Enneastar richtet sich auf die biblische Geistesfrucht aus.

 

Enneastar®

Enneastar über­nimmt Naranjos Typen­psycho­logie, inte­griert diese aber in ein anderes Konzept.

 

Kern dieses Konzepts ist die bib­li­sche Geistes­frucht, auf die alle Typen aus­ge­richtet werden.

 

Literatur­verzeichnis

Bartels, Johannes. "mitten in die Seele hinein". Das Ennea­gramm im Kon­text religiöser Erwach­senen­bildung. Religions­päda­gogi­sche Kon­texte und Kon­zepte Bd. 13. LIT Verlag, Münster. 2005. ISBN 3-8258-7282-3

Naranjo, Claudio. Charakter und Neurose. Eine inte­grative Sicht­weise. Hrsg: Wolfgang Dietrich, UNESCO Chair for Peace Studies, Innsbruck. Reihe: Elicitiva – Friedens­forschung und Humani­stische Psycho­logie. Springer Fach­medien Wies­baden. 2017. ISBN 978-3-658-15610-7


 

 

Pseudo-Faszination: Geheimlehre mit legendenhaftem Ursprung

Über die Herkunft des Ennea­gramms erzählt man sich viele Geschichten. Manche meinen, es gehe zurück bis auf die Antike. Auf jeden Fall aber sei die Geheim­lehre über eine geheimnis­volle Sufi-Bruder­schaft in unsere moderne Welt hinein­gekommen.

 

Die Lehre einer geheim­nis­vollen Her­kunft ist durch­aus gewollt. Sowohl Gurdjieff (Ennea­gramm als geo­metri­sche Figur) wie auch Ichazo (Ennea­gramm als Typen­lehre) kleideten nicht nur die Her­kunft des Ennea­gramms in geheim­nis­volle Legenden, sondern auch ihre Bio­gra­phien. Spätere Ennea­gramm-Begei­sterte bedienten sich bei diesen Legenden nur allzu gerne und zeigten wenig Inte­resse an nüch­ternen Fakten. So klagt bereits James Webb (1980): »Research into the sources of Gurdjieff's System has been going on ever since he arrived in the West, but very little has been published that is not delibe­rately misleading.« (Webb, 499-500)

 

Wer sich durch das Geflecht des Geheim­nis­vollen und Wider­sprüch­lichen durch­arbeitet, wird schliess­lich fest­stellen: Zumin­dest das Ennea­gramm als Typen­psycho­logie ist nur ein paar Jahr­zehnte alt.

 

Zu diesem Schluss kommt auch Johannes Bartels (2005), der eine nüchterne und fundierte Disser­tation über das Ennea­gramm geschrieben hat ("mitten in die Seele hinein"):

  • »Egal wie alt die Ennea­gramm-Figur tat­säch­lich ist – fest steht jeden­falls, dass die Typo­logie höch­stens fünf­zig Jahre alt ist.« (Bartels, 60)
  • »Es fragt sich, wes­halb sich die These vom hohen Alter des Ennea­gramms als Typo­logie so hart­näckig hält und bis heute immer wieder repro­du­ziert wird. Offen­bar soll das Modell durch die lange Tradi­tion legiti­miert und die man­gelnde wissen­schaft­liche Fun­die­rung damit aus­geg­li­chen werden. Dabei wird die ver­meint­liche Ver­an­kerung des Ennea­gramms in alten spiri­tuellen Tradi­tionen einer wissen­schaft­lichen Legiti­ma­tion gegen­über sogar als über­legen ange­sehen.« (Bartels, 69-70)

Schauen wir uns die Quellen doch etwas näher an:

Enneagramm Gurdjieff, Ouspensky 1949/2010

Gurdjieffs Legende

Georges I. Gurdjieff (1866-1949) sagte nie, woher er das Ennea­gramm-Symbol hatte. Grund­sätz­lich behaup­tete er, dass er seine Lehren – zumin­dest zum Teil – von einer sagen­um­wobenen »brother­hood by the name of Sarmoung, of which the chief mona­stery is  some­where in the heart of Asia« hätte (Gurdjieff, 148).

 

In Enneagramm-Büchern wird auf diesen Ort im all­ge­meinen als ein "Sufi-Kloster" ver­wiesen. Kenneth Walker (1882-1966), ein Schüler Gurdjieffs, ging aller­dings von einem »Essene mona­stery« aus (Walker, 202), das er »in the mountai­nous regions of Turkestan« lokali­sierte (Walker, 209-211).

Die Essener waren eine jü­dische Sekte, auf die Flavius Josephus (38-100 n.Chr.) hin­ge­wiesen und deren Schriften man in Israel (Qumran, 1947-1956) gefunden hat (Schick, 31).

Wenn man bedenkt, dass der eine Mönch im von Gurdjieff erwähnten Kloster angeb­lich 275 Jahre alt gewesen sei (Gurdjieff, 161), ist es schwer vor­stell­bar, dass es einen solchen Ort je gab. Gurdjieff wurde nach eige­nen Angaben mit abge­deckten Augen dorthin geführt. Dar­über hinaus musste er schwören, dass er nieman­dem den Ort ver­raten würde. Es sei fast unmög­lich, den Weg dort­hin zu finden (Gurdjieff, 148-152). Es braucht schon ein kind­liches Ver­trauen in Gurdjieff als Person, um sich einen solchen Ort als real vorzustellen.

 

Ein Freund von Kenneth Walker, ebenfalls ein Gurdjieff-Schüler, dachte nach Gurdjieffs Tod laut dar­über nach, ob Gurdjieff dieses Kloster viel­leicht nur erfun­den habe, sozu­sagen als litera­rische Figur. »"It's only a guess," he said, "and we can't even be sure that the world brother­hood he writes about actually exists. Some of the journeys he describes and the people he meets were probably only literary devices by means of which certain ideas could be given. [...]« (Walker, 209-211)

 

Gurdjieff selbst tat nicht viel, um den Ursprung seiner Lehren zu klären. Im Gegen­teil: »Concer­ning its origin, very little can be stated, for Gurdjieff was delibe­rately vague when­ever he was questioned on this subject.« (Walker, 201; vgl. Smith, 240)

 

Enneagramm Oscar Ichazo, John Lilly and Joseph Hart

Ichazos Legenden

Das Ennea­gramm taucht dann unter Oscar Ichazo (*1931) als psycho­logi­sche Typen­lehre auf. Die geo­metrische Figur hat inzwi­schen eine leichte Ver­ände­rung erfahren. Das innere Drei­eck ist nicht mehr gestrichelt.

Ichazo war keines­wegs klarer, was den Ursprung seiner Lehren betrifft. »Little was known about Ichazo's back­ground then; not much more is known now.« (Lilly/Hart, 331-332)

 

John Lilly und Joseph Hart berich­teten 1975 detail­liert über Ichazos psycho­logi­sches Ennea­gramm. Gemäss ihrem Bericht führte Ichazo seine Lehre auf einen Erz­engel Metatron zurück: »Metatron, the prince of the arch­angels, who has given instructions to Ichazo.« (Lilly/Hart, 341)

Der Schrift­steller Adam Smith schrieb 1975 nicht ohne sarkas­tischen Unter­ton , Ichazo habe sein Wissen durch "Direkte Offen­barung" bekommen. Er zitiert Ichazo: »I spent forty days in the desert in Cardova ... I was in a space without connection, my conscious­ness went inside the ennea­gram, I returned from the experience and each ennea­gram was complete, but it was very hard to put into words. Of course, this was my psychic projection«. (Smith, 263)

 

Gemäss Charles Tart (1991) behauptete Ichazo, dass er seine Lehren, und damit auch das Ennea­gramm, vom gleichen Sufi-Kloster habe, wie zuvor Gurdjieff. »I learned that Naranjo had been taught the basics of the Ennea­gram of perso­nality during a period of study in Chile with Oscar Ichazo, who, in turn, claimed to have learned it from a secret mystery school, the Sarmouni Brother­hood, who had also taught it to Grudjieff.« (Tart 1991, XIII)

Offenbar hat sich Ichazo an den Rat von John Lilly (1972) gehalten, das Ennea­gramm als Sufi-Lehre dar­zu­stellen: »Die Leute wollen ein Etikett sehen. Der Sufi-Name hat in den Vereinigten Staaten grosses Prestige, Karma oder was auch immer, bei den jungen Leuten, die zählen. Wir wollen etwas völlig Neues daraus machen.« (Lilly, 198)

 

Gemäss Markus Becker (1991) lernte Ichazo das Enneagramm von einem geheim bleiben­den Mann kennen. Aller­dings bleibt Beckers Quellen­an­gabe leider genauso unklar wie der von ihr erwähnte Mann:
»Sein [Ichazo's] Wissen über die Her­kunft der Typo­logie hüllt er aber, ebenso wie Gurdjieff, in einen Mantel des Gheimnis­vollen. Angeb­lich lernte er das System kennen, als er an der Univ­ersi­tät von La Paz arbei­tete, "und dort einen Mann traf, dessen Identi­tät er geheim­zu­halten ver­sprach ..." (Fussnote 7: Ennea­gramm Educator I, 1988, S. 4 "and there met a man whose identity he promised to keep secret.")« (Becker, 51)

 

Zu guter Letzt behaup­tete Ichazo 1991, dass das Ennea­gramm (seiner Arica-Schule) schlicht und ein­fach seine eigene Erfindung sei. »I did not receive the Arica theory from some obscure Sufi sect or from any­body else. The Arica theory and method are directly and completely proposed and presen­ted exclu­sively by me. I am the only source of the Arica theory and method.« (Ichazo 1991)

 

 

Sufi-Legende hat sich etabliert

Alle Klar­heiten beseitigt? Die obige Über­sicht zeigt, dass die wich­tigsten Ennea­gramm-Pro­ta­go­nisten, Gurdjieff und Ichazo, die Quelle(n) des Ennea­gramms bewusst ver­schlei­erten. Sie kre­ierten Legenden – viel­leicht um sich selbst zur Legende zu machen. Ganz sicher aber sollten die Legenden die Fas­zina­tion ihrer Lehre bzw. des Ennea­gramms steigern.

 

Die Sufi-Legende geistert bis heute durch die Ennea­gramm-Litera­tur und gilt inzwi­schen schon fast als unan­ge­foch­tene Tat­sache, obwohl sie von Ichazo ver­worfen wurde.

 

 

Enneastar®

Eine nüchterne Quellen­forschung zeigt, dass das Ennea­gramm als Typen­lehre kaum viel älter als ein halbes Jahr­hundert ist und nicht auf Gurdjieff, sondern erst auf Ichazo zurück­geht. Damit erweist sich die Herkunft-Faszina­tion als Pseudo-Faszination. Enneastar verweigert sich diesem "Schattentheater".

 

Literatur­verzeichnis

Bartels, Johannes. "mitten in die Seele hinein". Das Ennea­gramm im Kontext religiöser Erwach­senen­bildung. Religions­päda­go­gische Kon­texte und Kon­zepte Bd. 13. LIT Verlag, Münster. 2005. ISBN 3-8258-7282-3

Becker, Markus. Empir­ische Unter­suchun­gen zum Ennea­gramm – Grund­lagen und Ver­gleiche. In: Erfah­run­gen mit dem Ennea­gramm. Sich selbst und Gott begegnen. Andreas Ebert / Marion Küsten­macher (Hrsg.) Claudius Verlag, 3. Auflage, 1992. ISBN 3-532-62110-X

Gurdjieff, G.I. Meetings with Remarkable Men. First published 1969 by E.P. Dutton & Co. 1974 by Triangle Editions. ISBN: 0-525-47242-8. »Written in Russian, the manus­cript of this book was begun in 1927 and revised by the author over a period of many years.« (Gurdjieff, vi)

Ichazo, Oscar. Letter to the Trans­personal Community. 1991. Ichazo erklärt sich selbst und die Ursprünge des Ennea­gramms.
www.arica.org/articles/trletter.cfm (Datum: 17.12.2017)

Lilly, John C. Das Zentrum des Zyklons. Eine Reise in die inneren Räume. Neue Wege der Bewusst­seins­er­wei­terung. 1972. Fischer Taschen­buch Ver­lag, 17. Auflage, 1978. 780-ISBN-3-596-21768-7

Lilly, John C. and Hart, Joseph E. The Arica Training. In: Trans­personal Psycho­logies, edited by Charles T. Tart. 1. Auflage 1975 (Hardcover), 2. Auflage 1977 (Paperback), 3. unver­änderte Auflage 1983. Verlag: Psycho­logical Pro­cesses, incor­porated El Cerrito, California. ISBN: 0-912149-00-0

Schick, Alexander / Betz, Otto / Cross, Frank M. Jesus und die Schrift­rollen von Qumran, Wurde die Bibel verfälscht? Schwengeler Verlag, Berneck, 1996. ISBN 3-85666-395-9

Smith, Adam. Powers of Mind. 1975. Ballantine Books, New York. 1976. ISBN: 0-345-25426-0-195

Tart, Charles T. Preface (Vorwort). In: Palmer, Helen. The Ennea­gram. Under­standing Your­self and the Others in Your Life. HarpersSanFranciso, A Division of HarperCollinsPublishers. 1991. ISBN: 0-06-250683-8

Walker, Kenneth. Venture With Ideas: Meetings with Gurdjieff and Ouspensky. Pellegrini & Cudahy, New York. 1952.

Webb, James. The Harmonious Circle. The Lives and Work of G.I. Gurdjieff, P.D. Ouspensky, and Their Followers, with 26 illustrations. Thames and Hudson, London. 1980


 

 

keine Faszination: Bewusstseins-Stadien, Astrologie, Sheldons Typologie

Das psycho­lo­gische Enneag­ramm hatte in seiner Ent­wick­lungs­geschichte auch Elemente, die sich nicht durch­setzen konnten, wohl weil sie zu skurril waren. Drei davon seien hier genannt: Bewusst­seins-Stadien, Astro­logie, Typo­logie von Sheldon.

 

Bewusstseins-Stadien

John Lilly (1972) und Adam Smith (1975) gehören zu den Ersten, die über Oscar Ichazo und dessen Ennea­gramm- bzw. "Arica"-Schule berich­ten. Beide waren Arica-Schüler (zu verschie­denen Zeiten) und berich­ten des­halb aus erster Hand von ihren Erfah­rungen. Auf­fal­lend ist, dass beide detail­liert über Bewusst­seins-Stadien bzw. über "Satoris" schrei­ben. »Oscar erklärte seine eigene beson­dere Vor­stellung von den "Satoris". Seine Satoris werden als positive Ebenen (+24, +12, +6 und +3) oder Bewusst­seins-Stadien defi­niert. Oscar benützte die Gurdjieff­schen Schwingungs-Zahlen, um die Stadien des Bewusst­seins zu spezi­fi­zieren.« (Lilly, 153-154)

 

Lilly schreibt fast nichts über das Ennea­gramm, erklärt aber auf 2 Seiten detail­liert ver­schie­dene Bewusst­seins-Stadien (Lilly, 155-156), die er seiten­lang reflek­tiert und mit Ichazo disku­tiert. Gemäss Smith sollte man minde­stens Stadium "24" errei­chen, das ver­schie­dene Namen hat: +24, Satori 24 oder Permanent 24. Smith erklärt dann aber etwas ent­täuscht, dass kein Ichazo-Schüler dieses Stadium erreicht habe (Smith, 263), viel­leicht mit Aus­nahme von Oscar Ichazo und John Lilly (Smith, 254). ;-)

 

In spä­teren Ennea­gramm-Büchern spielen diese Bewusst­seins-Stadien keine Rolle mehr, obwohl sie ursprüng­lich das eigent­liche Ziel des Ennea­gramms – nebst medita­tiven Übungen mit phan­ta­sie­vollen Namen – waren. Sie bleiben damit ein skur­riles Ele­ment in der Ent­wick­lungs­geschichte des Ennea­gramms, von dem die wenig­sten je etwas gehört haben.

 

Enneastar® zielt nicht auf eine Bewusst­seins-Erwei­te­rung, aber durch­aus auf eine geist­liche und charakter­liche Weite­rent­wick­lung durch eine erfri­schende, bib­li­sche Spiritualität. Diese wird aber niemandem auf­ge­zwungen. Wer will, kann Enneastar ohne diesen bibli­schen Horizont kennen­lernen und benutzen (Grundkurs). Die bibli­sche Spirituali­tät wird dann im Aufbaukurs zum Haupt­thema. Genau genom­men ist sie mit ihrer Geistes­frucht aber so oder so der Ausgangs­punkt von Enneastar. Im Aufbaukurs wird diese Geistes­frucht dann auch zum Ziel­punkt.

 

Astrologie

Oscar Ichazo ver­band das Ennea­gramm seiner Arica-Schule ursprüng­lich mit Astro­logie, um "Abwei­chun­gen im Denken" zu eru­ieren: »Oscar belehrte uns über die "Ego-Abwei­chungen" und wie er sie in Ver­bin­dung zu den mentations und unseren astro­lo­gi­schen Tier­kreis­zeichen, wie sie sich von unserer Geburts­zeit und unserem Geburts­ort her­lei­te­ten, brachte.« (Lilly, 157; vgl. Lilly/Hart, 343) Dieser astro­lo­gi­sche Ansatz wurde in der wei­teren Ennea­gramm-Ent­wick­lung fallen gelassen bzw. als "nicht hilf­reich" aufgegeben.

 

Claudio Naranjo, Typologie nach William Sheldon, nach Enneastar-Reihenfolge

Typologie von William Sheldon

Claudio Naranjo ver­bindet das Ennea­gramm als »begei­ster­ter Anhänger Sheldons« (Naranjo, 22) mit der Typo­logie von William Sheldon (1899-1977). Des­halb ordnet er jedem Typ einen spezi­fi­schen Körper­bau samt dazu­ge­höriger Ver­haltens­weise zu. Dieses System konnte sich in der wei­teren Ennea­gramm-Ent­wick­lung aller­dings nicht durch­setzen, wenn sich auch da und dort Hin­weise auf Körper­formen finden.

»Sheldons Körper­typen stellten sich als wenig brauch­bar für die Vorher­sage des Ver­haltens einer Person heraus, finden aber noch heute Anwen­dung in der Sport­medizin zur Erstellung von Trainings­programmen.« (wiki/William_Sheldon)

 

Literatur­verzeichnis

Lilly, John C. Das Zentrum des Zyklons. Eine Reise in die inneren Räume. Neue Wege der Bewusst­seins­erwei­terung. 1972. Fischer Taschen­buch Verlag, 17. Auflage, 1978. 780-ISBN-3-596-21768-7

Lilly, John C. and Hart, Joseph E. The Arica Training. In: Trans­personal Psycho­logies, edited by Charles T. Tart. 1. Auf­lage 1975 (Hard­cover), 2. Auflage 1977 (Paper­back), 3. unver­än­derte Auf­lage 1983. Verlag: Psycho­logical Processes, incor­porated El Cerrito, Cali­fornia. ISBN: 0-912149-00-0

Naranjo, Claudio. Charakter und Neurose. Eine inte­grative Sicht­weise. Hrsg: Wolf­gang Diet­rich, UNESCO Chair for Peace Studies, Inns­bruck. Reihe: Elicitiva – Friedens­forschung und Humani­sti­sche Psycho­logie. Springer Fach­medien Wies­baden. 2017. ISBN 978-3-658-15610-7

Smith, Adam. Powers of Mind. 1975. Ballantine Books, New York. 1976. ISBN: 0-345-25426-0-195

wiki/William_Sheldon. https://de.wikipedia.org/wiki/William_Sheldon (Datum: 13.02.2018)